Hochzeit bei den Wikingern

Die Hochzeit von Leif und Gyde findet in Tveta statt. Leif hat seine Braut aus Haithabu geholt. Die Vorbereitungen zum großen Hochzeitsfest und das Fest selber nehmen breiten Raum ein in meinem Roman. Hier ein kleiner Auszug:

 

 

Der Vormittag des Festtages verging schnell. Gyde konnte kaum alles fassen, was um sie herum vor sich ging. Und sie und Leif waren immer im Mittelpunkt.

„Nun kommt der nächste Teil der Zeremonie“, sagte Ortberga, die wie immer alles unter ihrer Kontrolle hatte. „Der Schwertertausch.“

Erk zeigte seiner Schwester ein Schwert, das er beim Schmied hat anfertigen lassen. Dann legte er es flach auf seine ausgebreiteten Hände. „Folge mir!“, sagte er zu Gyde und schritt voran. Gyde ging hinter ihm, dann folgten die Mitglieder der Familie. Die Gäste begleiteten den Tross. So kamen sie beim Heiligen Hain an der Odinsquelle an. Leif hatte den Ort mit Bedacht gewählt, symbolisierte die Quelle doch Reichtum und Fruchtbarkeit.

Leif folgte Thorleif, angeführt von Erk und Thorleif, der die Stelle des Brautvaters eingenommen hatte. Der trug ebenfalls ein Schwert auf ausgestreckten Händen. Es war ein Ahnenschwert, das bereits Ulf und zuvor Sigurd und dessen Vater am Körper getragen hatten.

Nun wurden die Schwerter ausgetauscht. Gyde bekam das Ahnenschwert, das sie an ihren ältesten Sohn weitergeben sollte. Leif dagegen nahm Erks Schwert an, um damit die neue Familie zu schützen.

Nun wandten sich alle dem großen Opferstein zu. Heilige Männer leiteten die Zeremonie. Sie trugen Tiermasken und beteten in einem merkwürdigen Singsang. Drei Tiere sollten geopfert werden. Gyde musste sich die Ohren zuhalten, so laut war das Geschrei des Schweines, als man ihm die Kehle durchschnitt und das Blut in einem Behälter auffing. Ähnlich erging es der Ziegen und dem Eber. Ihr Leben wurde den Göttern geopfert, damit dem Brautpaar das Glück treu bleibt. An ihrem geheiligten Opferfleisch würde sich die gesamte Hochzeitsgesellschaft satt essen. Das aufgefangene Blut aber hatte eine andere Verwendung.

„Hier habt ihr Tannenzweige. Taucht sie in das Blut, geht zu allen Gästen und bespritzt sie mit einigen Tropfen. So haben sie auch an eurem Glück teil.“

Gyde und Leif gehorchten. Zum Schluss reichten sie die Zweige an Ortberga, die sie wiederum an Thorleif und Erk weitergab. „Nun ist es an euch, das Brautpaar mit dem Opferblut das Eheglück zu sichern.“ Die beiden nahmen die Zweige und besprenkelten die Brautleute mit dem geweihten Blut.

Damit war die Hochzeitszeremonie beendet, und die Feiern konnten beginnen. Wieder übernahm Ortberga das Kommando. „Das Brautrennen kann beginnen. Die einzelnen Familien bilden Gruppen und schicken die schnellsten Läufer ins Rennen. Wer als letzter die Festhalle erreicht, hat mit seiner Familie einen Tag und eine Nacht die Gäste mit Bier zu versorgen.“

Gyde wandte sich an Leif. „Was habt ihr bloß für merkwürdige Gebräuche. Aber es macht Spaß! Ich bin gespannt, was noch alles so kommt.“

„Warte es ab, es bleibt unterhaltsam.“

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