Ein Morgen im Leben des zukünftigen Mörders Hans (Textausschnitt)

Es muss einfach sein – mal etwas Anderes als nur Wikinger!

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Der Tag konnte nicht gut werden. Er musste sich sein Frühstück allein machen, weil seine Mutter mit Migräne im Bett liegen geblieben war. Dabei wusste sie selbst nur zu gut, dass er ihr das nicht glaubte. Es war nicht zu übersehen, dass sie wieder die halbe Nacht getrunken hatte. Die fast geleerte Wodkaflasche stand noch neben dem Sofa. Wie sie es geschafft hatte, ins Schlafzimmer im Obergeschoss zu kommen, war ihm nicht klar. Und nun konnte sie ihren dicken Kopf nicht aus den Kissen bekommen und schützte die Kopfschmerzen vor. Schon immer hatte die Migräne als Entschuldigung oder Erklärung herhalten müssen. Zum Frühstück hatte er zwei Eier in die Pfanne geschlagen und sie einseitig nur leicht angebraten, das Weiße noch glibberig, das Gelbe noch sehr flüssig. Eigentlich mochte er solche Spiegeleier überhaupt nicht, sie sollten vielmehr beidseitig und durchgebraten sein. Aber er musste sich dieses scheußliche Essen machen, um die schlechte Laune noch zu verstärken. Dazu diente auch die Tasse löslichen Kaffees, den er sich mit fast heißem Wasser aus der Leitung und Sahnepulver zubereitete. Er glaubte, dass diese “Selbstbestrafung” ihn reinigen würde von all dem Unrat, der von außen auf ihn einwirkte. Er würgte alles herunter, packte sich eine braun gesprenkelte Banane ein und machte sich auf den Weg zur Bushaltestelle.

Mit Abscheu besah er sich den Haufen, den ein Hund vor der Bank hinterlassen hatte. Daneben eine Tüte mit einem Rest Pommes “Bahnschranke”, der in der Ecke des Wartehäuschens lag, von einem unvorsichtigen Schuh zermatscht zu einem gelb-weiß-roten Brei. Ein Berber mühte sich mit dem Inhalt des an der Seitenwand angebrachten Müllkorbes ab, auf der Suche nach etwas Verwertbarem. Da er nichts Brauchbares fand, wandte er sich der Pommesmahlzeit zu, kratzte die Reste in die Tüte und zog mit ihm davon. Der Bus war übervoll. Die meisten Mitfahrer waren wohl auf dem Weg zur Arbeit, andere kamen von der Nachtschicht, wieder andere waren offensichtlich nach durchlebter Nacht auf dem Weg nach Hause. Alles zusammen ergab ein Geruchsgemisch von Schweiß, Alkohol, Sex, Aftershave, Haarspray und Parfüm. Dazu gesellte sich eine Palette weiterer undefinierbarer Gerüche und Ausdünstungen. An der Haltestelle Tristanplatz verließ er den Bus und ging die letzte Strecke zu Fuß ins Büro in der Wagnerstraße.

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